TV-Duell der Spitzenkandidaten 2017: Schulz vs. Merkel

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Eine neue Form des Spitzenkandidatenduells sollte es dieses Jahr geben. Der geplante neue Rahmen sah vor, zwei Duelle a 95 Minuten Sendezeit mit jeweils zwei Moderator*innen zu veranstalten, um so mehr Zeit für eine längere Auseinandersetzung mit den Inhalten zu haben. Das Bundeskanzleramt verweigerte sich der neuen Idee und drohte den Veranstalter*Innen des Duells sogar mit einer Teilnahmeverweigerung der Kanzlerin. Man entschied sich aus diesem Druck heraus, alles beim Alten zu lassen und Frau Merkel ihren gewohnten und gewollten Rahmen zu geben. Wie man die aktive Mediengestaltung durch ein politisches, ja staatliches Organ bewerten will, darf sich jede*r selbst überlegen. Von Seiten der SPD gab es während der Planung keinerlei Einwände gegenüber einem Facelift des Formats.

Kanzlerkandidat Martin Schulz startete mit hohen Erwartungen ins Duell. Nicht nur die Genoss*innen, sondern auch die Wähler*Innen wollten Angriffe sehen, Akzente und vor allem auch Kampfesmut, der verdeutlicht, dass bei dieser Bundestagswahl noch nichts entschieden ist, trotz des großen Abstands in den Umfragewerten.

Was man dann in etwas über 95 Minuten zu sehen bekam, war eine Sendung in der viel zu viel Zeit bei Themen verbraucht wurde, die für die meisten Bürger*Innen gar nicht greifbar sind.
Das Thema Türkei wurde dafür, dass es nur ein außenpolitisches Thema ist, lang und breit diskutiert. Schulz spricht sich hierbei für eine harte Linie gegenüber der Türkei aus, denn nach seiner Erfahrung spreche der türkische Präsident nur eine Sprache und die sei hart. Im Klartext bedeutet dies, dass die EU-Beitrittsverhandlungen und die Finanzhilfen eingestellt und abgebrochen werden sollen. Zum einen hat dies den Vorteil, dass so klar aufgezeigt wird, was die Bundesrepublik akzeptiert und was nicht. Bei Inhaftierungen von deutschen Staatsbürgern ohne wirklichen Grund ist eine Grenze überschritten und ja, diplomatisch wird es schwieriger mit Ankara zu verhandeln. Aber ist denn schon der Handlungsspielraum ausgeschöpft und was folgt auf die Beendigung der Beitrittsverhandlungen und viel wichtiger, wie soll sich die deutsch-türkische Beziehung generell weiterentwickeln? Darauf gab es keine Antwort.

Martin Schulz war ganz klar der kämpferischere Kandidat in diesem Duell und setzte auch Wirkungstreffer. Er schaffte es beim Thema Rente mit 67 oder 70 Merkel soweit zum Schwimmen zu bringen, dass diese nach unzähligem um den heißen Brei rumreden, versprach, dass es mit ihr keine Rente mit 70 geben werde. Ob dass der Wahrheit entspricht, zweifeln wir mal stark an, denn Versprechungen der Bundeskanzlerin in TV-Duellen kann man der Erfahrung nach wenig trauen, Stichwort Pkw-Maut.

Abgesehen von dieser Ausnahme, hatte sich das Duell ab einem gewissen Punkt zu einer Konsensveranstaltung entwickelt und nicht zu dem gewünschten Kontrastprogramm. Martin Schulz konnte zwar Inhalte setzen, z.B. wie viel Geld eine Familie mittleren Einkommens konkret monatlich mehr in der Tasche hat, wenn kostenfreie Kita-Plätze und Anpassung der Steuersätze mit einer SPD-Regierung verwirklicht werden. Doch was einfach nicht förderlich für die Unterhaltung des Publikums und auch für die Meinungsbildung der unentschlossenen Wähler*Innen war, ist die Tatsache das Merkel und Schulz sich gegenseitig in vielen Fragen sogar zustimmten. Das Duell suggerierte zeitweilig den Anschein als wäre es kein Duell, sondern die Auftaktveranstaltung zu einer nächsten Runde GroKo, vor der wir hoffentlich bewahrt bleiben. So wurde es auch verpasst, die Bürger*Innen, die vielleicht nicht mehr in der Mitte zu finden sind, mit Inhalten aus der Politikverdrossenheit zurück an den Tisch zu holen. Eine klare Trennung von SPD und CDU hätte das Duell liefern müssen, es hätte der AHA-Effekt sein müssen! Die Bürger*Innen zu Hause vor den Bildschirmen hätten bei einem solchen AHA-Effekt eher gedacht: Jo, der Martin Schulz kann das! Der hat ein super Konzept und der versteht auch, was uns kleine Leute so bewegt. Den wähle ich!

Daran haben auch die Moderatoren nichts geändert und auch nicht den Versuch unternommen Schärfe in das Duell zu bringen. Es gab zwei Situationen, in denen beide Kandidat*innen selbst den Versuch unternehmen wollten, den Gegner mit einer Frage zu konfrontieren. Die Moderatorinnen Maischberger und Illner blockten das sofort mit einen klaren „nein“ ab und erstickten den Versuch im Keim. Den moderatorischen Totalausfall verkörperte Claus Strunz vom Sat1- Frühstücksfernsehen. Er schaffte es mit Fragen, die völlig am Thema vorbeiführten und schon Ansatzweise in Richtung AfD-Vertreter tendierten, die Qualität der Moderation stark zu mindern. Fragen wie: „Wir sind doch jetzt so ein tolles Land und finden für die Abschiebung keine Lösung?“, kamen nicht nur plump daher, sondern simplifizierten den komplexen Prozess einer Abschiebung und sind, wie Schulz auch antwortete, immer Einzelfallentscheidungen. Ebenfalls der Versuch durch Strunz, Schulz in Misskredit zu bringen, indem er ihn explizit auf den Wechsel von Ex-Bundeskanzler Schröder zum halbstaatlichen Ölkonzern Rosneft ansprach, vermittelten den Eindruck, dass Strunz krampfhaft versuchte, sich als Kombination von Klatschpresse und seriösen Politikjournalist zu vermarkten. Auch Herr Kloeppel von RTL schaffte es nicht, Schärfe in das Duell zu bringen, sondern vermied Einwände, in dem er leise den Kopf schüttelte, anstatt mit einer Frage seinen Einwand vorzutragen.

Trotz des ernüchternden Ergebnis dieses Abends, hat sich die SPD verbessern können. Sie hat ein paar Prozent zulegen können und auch Martin Schulz hat, bei denen, die noch überzeugt werden müssen, punkten können. Diese unentschlossenen Wähler machen rund ein Drittel der gesamten WählerInnen aus und bei denen hat Martin Schulz besser abgeschnitten als Frau Merkel.

Die Persönlichkeit und auch der Bekanntheitsgrad von Martin Schulz hat gewonnen. Er hat gezeigt, dass er kämpft und ein bürgernaher Typ ist, der quasi jedermanns Nachbar sein könnte und keine glatte Machtfigur ist, die sich an ihren Thron klammert. Martin Schulz hat Ecken und Kanten. Er ist eine Persönlichkeit, die zu recht Kanzlerkandidat der SPD ist und für den wir gerne, mit vollem Einsatz Wahlkampf machen. Er ist ein überzeugter Europäer, wie kaum ein zweiter. Er lebt den europäischen Gedanken von Zusammenarbeit, zollfreiem Handel, Austausch von Kulturen und einem Erhalt des Frieden auf dem europäischen Kontinent.

Das Duell hat der SPD nicht geschadet, es hat nur bei Weitem nicht sein mögliches Potential ausgeschöpft und die damit verbundene Wirkung erzielt.

 

Von Frithjof Mess

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