Interview mit Mathias Stein

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In der amerikanischen Bluestradition, die reich an Mythen, Legenden und Weisheiten ist, gibt es
eine Redewendung, die einen bedeutenden Einfluss auf die Popkultur des letzten Jahrhunderts
hatte. „Ein rollender Stein setzt kein Moos an“
Auf wen trifft diese Beschreibung schon besser zu, als auf Mathias Stein? Personalrat in der
Bundesverkehrsverwaltung, Vorsitzender der ver.di Bundesfachkommission
Bundesverkehrsverwaltung, Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Kiel, Marathonläufer, bis 2016
Mitglied im Landesvorstand der SPD Schleswig-Holstein, ehrenamtliches Mitglied bei der Awo,
ver.di, den Falken, im SPD-Kulturforum und dieses Jahr zum ersten Mal der SPD-Bundestagskandidat
für Kiel, Altenholz und Kronshagen.
Dieser Stein rollt! Wir nutzten die Gunst der Stunde und interviewten ihn einer der wenigen ruhigen
Minuten, um ein wenig mehr über ihn zu erfahren.
Stachel:
Mathias, auf deiner Internetseite kann man über Dich erfahren, dass du ein
leidenschaftlicher Marathonläufer bist und auch andere Ausdauersportarten wie Schwimmen und
Radfahren betreibst. Generell ist Ausdauersport in Politikerkreisen ja durchaus weit verbreitet. Was,
glaubst Du, kann man aus
Ausdauersport für seine politische Arbeit ziehen?
Mathias Stein:
Man hat bei Ausdauersportarten Zeit ein bisschen nachzudenken, ein wenig auf
den Grund zu kommen und das ist mit der Politik ja auch sehr ähnlich, dass Politik ja eher ein
Langstreckensport ist, also dass man nicht kurzfristig irgendetwas durchsetzt, sondern dass viele
Dinge Jahre oder Jahrzehnte brauchen bis sie durchgesetzt werden. Deshalb ist das schon sehr
ähnlich. Ich persönlich brauche das als Ausgleich, wenn man viel sitzt und vermutlich werde ich im
Bundestag auch viel sitzen. Ich denke, dass man da dann auch viel Ausgleich braucht.
Stachel:
Eine weitere Deiner Leidenschaften ist das Lesen. Du verlierst Dich gerne in Büchern. Hast
Du ein Buchtipp, den Du unserer jungen Leserschaft besonders ans Herz legen kannst?
Mathias Stein:
Wer etwas Leichteres haben will, dem empfehle ich ein Jugend- oder Kinderbuch:
„Die roten Matrosen“ von Klaus Kordon, der die Ereignisse von 1918 beschreibt, aus der Sicht eines
Jungen, damals zur Novemberrevolution. Wer etwas Anspruchsvolleres lesen will, auch
zeitgeschichtlich, dem empfehle ich von Günther Grass „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“, das
ich zurzeit lese und in dem er den Wahlkampf 1969 beschreibt. Interessanterweise beschreibt dort,
dass auch damals die SPD zwar einen sehr erfolgreichen Wahlkampf geführt hat aber dass die
Parteistrukturen nicht so innovativ waren wie die Künstlerinnen und Künstler, die die
Wählerinitiative gemacht haben. Vieles ist zu heute immer noch ein bisschen ähnlich.
Stachel:
2010 hast Du, für viele überraschend, gegen Torsten Albig, Ralf Stegner und Brigitte
Fronzek als Spitzenkandidat für die Landtagswahl kandidiert. So ein Schritt beweist eine gehörige
Portion Mut. Würdest Du sagen, dass die aktuelle Politik auf Bundesebene mehr Mut gebrauchen
könne?
Mathias Stein:
Ich glaube schon, dass man viel Mut braucht, um auch bestimmte Dinge politisch
zu bewegen. Bei Politik ist es halt immer eine Frage. Man ist halt sofort immer irgendwo mit seiner
Meinung im öffentlichen Fokus. Das heißt: Sowohl irgendwo am Infostand eines Ortsvereins der
Gemeinde, in den sozialen Medien, als auch auf der Straße ist ja der Ton in den letzten 20, 30
Jahren rauer geworden. Da fordert es schon Mut eine klare politische Haltung zu haben. Klar, der
Mut etwas Ungewöhnliches zu tun ist dann immer noch ein bisschen schwieriger aber ich glaube in
der Gesellschaft wird der Mut dann auch anerkannt.
Stachel:
Eines deiner zentralen politischen Themen ist „Gerechtigkeit in der Arbeitswelt“. Siehst
Du dort zum jetzigen Zeitpunkt einen Mangel und wie würdest Du dich für ein höheres Maß an
Gerechtigkeit einsetzen?
Mathias Stein:
Es ist schon ein Mangel da. Bisher ist die Hälfte der Arbeitsverhältnisse nicht
tarifvertraglich geregelt, sondern ohne Tarifverträge, was meistens zu relativ geringen Löhnen führt.
Sobald die wirtschaftliche Situation eng wird gehen die Löhne runter. Wir haben Bereiche, wo
ausgebeutet wird; in Schlachtereibetrieben aber auch in der Gastronomie, im Hotelgewerbe und
ähnlichem. Und wenn wir nicht aufpassen, gerät das halt immer mehr unter Druck. Vor allem bei
der Entlohnung aber auch in anderen Bereichen. Zum Beispiel im IT-Gewerbe und anderen
Bereichen wo gutes Geld verdient wird, sind die Arbeitsbedingungen schon schwieriger geworden.
Also die Anforderungen schnell zu reagieren, ständig erreichbar zu sein und das erfordert schon
Antworten und die Antworten können aus meiner Sicht nur sein, dass es mehr Mitbestimmung und
stärkere Arbeitnehmer gibt, stärkere Gewerkschaften, stärkere Tarifbindung. So dass man nicht lebt
um zu arbeiten sondern arbeitet, um zu leben.
Stachel:
Was ist für dich das markanteste Alleinstellungsmerkmal von Kiel/ Ahz/ Kro? Was macht
diese Stadt besonders?
Mathias Stein:
Wir sind mitten in der Förde. Wir haben mitten in der Stadt Industrie. Wir haben
mitten in der Stadt Wohnen. Wir haben hohe Freizeitwerte. Wir sind auch sehr eng mit dem Umland
beieinander und ich glaube, dass macht Kiel auch aus. Und ein weiterer Punkt, was so die Kieler
Bevölkerung anbelangt ist, dass Kiel auch eine sehr weltoffene Stadt ist. Also als 2015 viele
Geflüchtete gekommen sind, da haben viele tatkräftig angepackt, haben auch dafür gesorgt, dass
die Menschen versorgt werden und auch für heute gilt, dass die Integration von geflohenen
Menschen, wie sie in Kiel umgesetzt wird eine Besonderheit darstellt. Bei aller Kritik, die es auch
hier gibt. Aber ich glaube, das ist schon besonders an Kiel.
Stachel:
Von der anderen Seite gefragt, was ist dir der größte Dorn im Auge? Was muss sich
unbedingt ändern?
Mathias Stein:
Was sich ändern sollte… Ich würde mir mehr wünschen, dass die Stadtteile noch
enger zusammenwachsen. Es gibt viele Menschen, die in ihren Stadtteilen wohnen und kaum aus
diesen herauskommen und da würde ich mir wünschen, dass sie enger zusammenrücken. Dass wir
mehr Menschen haben, die gut wohnen aber zu bezahlbaren Preisen. Also, dass wir nicht Viertel
haben, wo ganz Reiche wohnen mit entsprechendem Lebensstandard, sondern dass wir Viertel
haben, die durchmischt sind in Bezug auf Nationalitäten aber auch Menschen, die unterschiedlich
verdienen und in unterschiedlichen Lebenslagen sind.
Stachel:
Nun mal eine sehr lokale Frage. Was hälst du von dem Gedanken den Flugplatz Kiel/
Holtenau zu einem Wohn- und Gewerbegebiet umbauen zu lassen?
Mathias Stein:
Also, auf dem Gelände des MSG5 passiert ja eine ganze Menge. Also da, wo früher
auch die Hubschrauber waren, da soll mehr Wohnraum geschaffen werden, da soll auch Gewerbe
hinkommen. Ich glaube aber, dass Kiel eine Industriestadt ist und dass wir dort auch eine
Landebahn brauchen. Wie sich dann in den nächsten 20, 30, 40 Jahren die Wirtschaft verändern
wird, durch Digitalisierung und andere Formen der Arbeit, ob man dann tatsächlich noch Flughäfen
braucht, da kann man ein großes Fragezeichen drüber machen aber ich glaube wir werden in den
nächsten Jahrzehnten doch noch eine Landebahn brauchen um damit auch letztlich der Industrie zu
sagen: „Sie sind hier willkommen.“ Denn gerade die industriellen Arbeitsplätze bringen hier sehr
viel Wertschöpfung in die Region und sehr viele Arbeitsplätze, die mit Tariflöhnen vergütet,
mitbestimmt sind und so weiter. Also insofern glaube ich schon, dass wir den Flughafen oder die
Landebahn noch einige Zeit aufrechterhalten sollten. Aber ein Ausbau des Flughafens, da war ich
immer -schon Ende der 90er- dagegen.
Stachel:
Der THW plant bekanntlich, ein Trainingszentrum in Altenholz zu errichten bzw. ist bereits
dabei. Siehst Du das eher als Chance oder als Risiko für Altenholz?
Mathias Stein:
Ich glaube, das ist sowohl eine Chance für Altenholz, als auch für die Region Kiel,
um stärker zusammenzuwachsen. Denn Kiel hat ja die Problematik, dass wir eine wachsende Stadt
sind aber in der Fläche nicht wachsen können. Wir haben im Vergleich zu Lübeck mehr Einwohner,
aber Lübeck hat die doppelte Fläche. Insofern wäre es natürlich schön, wenn der THW ein
Trainingszentrum in Kiel hätte aber ich glaube, wenn man das dann als regionale Aufgabe sieht, so
einen Spitzenhandballverein eine entsprechende Infrastruktur zu geben, das trägt, glaube ich, auch
mit dazu bei, dass die beiden Gemeinden oder das die Kielregion stärker zusammenwächst.
Stachel:
Eine letzte Frage zum Schluss. Angenommen es bestünde ein Gesetz, das vorschreibt,
dass man sich das Portrait eines berühmten Politikers auf den Arm tätowieren lassen oder
umgehend in die CSU eintreten müsste. Wessen Portrait würden wir auf deinem Oberarm sehen
können?
Mathias Stein:
Personenkult ist natürlich immer schwierig. Nehmen wir mal…Carl Legien

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