„Ehe für Alle“ – Ein Grund zu feiern

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Am Freitag, den 30. Juni hat sich der Bundestag mit 393 der 623 Abgeordneten entschieden für die „Ehe für alle“ ausgesprochen, nachdem Martin Schulz (SPD) diesbezüglich Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgeübt hatte und auch der Druck der Öffentlichkeit zunehmend anstieg. Während die SPD und wir Jusos Grund zu feiern hatten, hat sich die Union mehrheitlich gegen den Vorschlag entschieden, darunter auch drei Abgeordnete aus Schleswig-Holstein.

 

Nicht vereinbar mit den christlich-demokratischen Werten?

Die CDU und CSU sind innerhalb ihrer Fraktionen mehrheitlich der Ansicht, dass eine gleichberechtigte Ehe für alle nicht mit den christlich-demokratischen Werten vereinbar sei.

Hierzu ist zu sagen, dass die Ehe kein allein kirchlich anerkanntes Bündnis ist, sondern auch als vom Staat geschützter zivilrechtlicher Bund zwischen zwei Menschen zu verstehen ist.

Außerdem haben die Landeskirchenverbände mehrerer deutscher Bundesländer bereits vor geraumer Zeit angekündigt, selbstverständlich auch homosexuelle Paare zu trauen, sobald dies erwünscht und uneingeschränkt möglich ist.

Vor allem aber sollte man sich bei einem Thema wie der Ehe, also dem Versprechen der ewigen Liebe zweier Menschen, nicht auf „christliche“ oder „demokratische“ Werte beziehen, da die Liebe frei und uneingeschränkt ausgelebt werden sollte.

 

Änderung im Grundgesetz ist NICHT zwingend notwendig

Der Schutz der Ehe wird im Grundgesetz (Art. 6) festgehalten. An keiner Stelle ist hier definiert, wer unter welchen Umständen wen heiraten darf. Es wird zwar nicht explizit geschrieben, dass dies auch eine Ehe zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau sein kann, allerdings wird nirgendwo das Gegenteil festgehalten.

Es ist lediglich festgelegt, dass die Ehe und Familie unter besonderem Schutz der staatlichen Ordnung stehen (Art. 6 Abs. 1). Weder der Begriff Ehe noch der Begriff Familie werden näher definiert. Dadurch lässt sich unter Ehe gleichermaßen heterosexuelle als auch homosexuelle Lebenspartnerschaft verstehen, ebenso wie eine Familie sowohl als Mann und Frau mit Kind oder Kindern als auch als zwei Männer oder zwei Frauen mit ihrem Kind oder ihren Kindern verstanden werden können.

Sicherlich wäre eine gesetzliche Änderung, die in diesem Punkt Klarheit schafft, sinnvoll, doch dadurch, dass beide Begriffe nicht definiert sind, kann das Grundgesetz unverändert bleiben.

 

Offensichtliche Benachteiligung

Es gibt jedoch einige Dinge, die sich schon lange hätten ändern müssen. Als homosexuelles Paar war es bislang nicht bzw. nur sehr schwer und unter bestimmten Bedingungen möglich, ein Kind zu adoptieren. Dieses Recht ist in Deutschland ausschließlich Ehepartnern vorbehalten. Sprich: Homosexuellen Partnern wurde nicht nur die Aussicht auf eine Ehe genommen, insbesondere den Partnerschaften zwischen Mann und Mann wurde die Familiengründung nicht ermöglicht, die Adoption blieb allen homosexuellen Partnern vorenthalten.

Zudem blieben homosexuellen Partnern die wirtschaftlichen Vorteile einer Ehe verwehrt. So hatte eine eingetragene Lebenspartnerschaft homosexueller Paare nicht die Möglichkeit, Steuersplitting zu nutzen, wodurch ein weiteres wichtiges Privileg der Ehe in dem Konzept der eingetragenen Lebenspartnerschaften nicht vorgesehen ist. Zwei Aspekte der Ungerechtigkeit, die förmlich nach Verbesserung schrien.

 

Weniger Diskriminierung – mehr Toleranz

Die Stimmen, die diese Ungleichbehandlung homosexueller gegenüber heterosexuellen Partnerschaften kritisieren und als Diskriminierung sehen, sind zunehmend lauter geworden. „Warum sollten zwei sich liebende Männer oder Frauen weniger berechtigt sein, sich die ewige Liebe zu versprechen, als ein heterosexuelles Paar?“ Diese Infragestellung ist durchaus berechtigt, ebenso der Vorwurf der Diskriminierung, den auch der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs (SPD) gegenüber der Union äußerte.

Dadurch, dass jede Form der Eheschließung nun gleichberechtigt ist, wird ein eindeutiges Zeichen gesetzt. Den homosexuellen Paaren wird nun ganz klar und deutlich vermittelt, gleichwertig gegenüber den heterosexuellen Paaren zu sein. Nicht nur denjenigen, die hiervon unmittelbar betroffen sind, sondern allen Menschen wird hierdurch verdeutlicht, dass es kein Ungleichgewicht zwischen Homosexualität und Heterosexualität gibt.

Dahinter steckt neben der zivilrechtlichen Änderung für die Paare selbst also auch noch ein ganz hoher symbolischer Wert:
Es entspricht lange nicht mehr unserer Zeit, zwischen den verschiedenen sexuellen Orientierungen das Eine höher zu stellen als das Andere, denn genau das ist die Definition von Diskriminierung. Es ist höchste Zeit für weniger Diskriminierung und mehr Toleranz gegenüber homosexuellen Paaren, weshalb die Abstimmung im Bundestag für die „Ehe für alle“ wirklich ein Grund zu feiern ist.

 

Von Carl Vollmers

 

 

(Foto von : hochzeitsfotograf  / pixelio.de )

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