Der Streit um die Nationalflagge

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Die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz hat gefordert, dass die deutschen Fans bei EM Spielen auf die Deutschland Fahnen verzichten sollen. Die Folge ist große Empörung. Aussagen wie „Ich lasse mir doch nicht meinen Nationalstolz nehmen.“ finden breite Unterstützung. Die Kritiker sind in der eindeutigen Unterzahl. Diese Entwicklung ist neu. Die Ablehnung des Patriotismus, welche nach dem 2. Weltkrieg entstand, scheint es nicht mehr zu geben.

Unsere Fahne steht doch für Freiheit.

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Als Argument für das Schwenken der schwarz-rot-goldenen Fahne wird gerne ihre Bedeutung herangezogen. Der Sozialdemokrat Ludwig Bergsträsser begründete die Wahl der Flagge 1949 wie folgt: „Die Tradition von Schwarz-Rot-Gold ist Einheit und Freiheit. Diese Flagge soll uns als Symbol gelten, daß die Freiheitsidee, die Idee der persönlichen Freiheit, eine der Grundlagen unseres zukünftigen Staates sein soll.“

Ist das der Grund weswegen Fußballfans in Deutschland Flagge zeigen? Wohl kaum. Es sind eher die wenigsten, die über die Bedeutung der Fahne genau bescheid wissen. Und wenn Mensch sich tatsächlich aufgrund von Einheit und Freiheit für das zeigen der Flagge entscheidet, stellt sich die Frage, was das mit Fußball zu tun hat. Es ist also falsch zu behaupten, dass ein Zusammenhang zwischen der Bedeutung von schwarz-rot-gold und der Fankultur besteht.

Ich werde ja wohl noch stolz auf mein Land sein dürfen.

Ein weiteres Argument für die Fahne ist der Ausdruck von Nationalstolz. Man möchte die Mannschaft aus dem eignen Land unterstützen, ist Stolz auf die Erfolge der letzten Turniere und hofft, dass es wieder so gut läuft. Es ist nachvollziehbar, dass Deutsche sich am meisten für die deutsche Mannschaft interessieren, man kennt die Spieler, spricht dieselbe Sprache und einige der Spieler kommen vielleicht aus der selben Gegend. Das Wort Stolz ist an dieser Stelle jedoch unangebracht. Per Definition ist Stolz meist die Freude auf eine eigenen Leistung. Wenn man jetzt nicht zufällig Teil des Teams ist, so fällt es schwer den Erfolg einer Fußballmannschaft als eigene Leistung zu definieren. Absurder wird es noch, wenn von Nationalstolz geredet wird. Auf was ist man Stolz, wenn Mensch auf das eigene Land stolz ist? Beliebte Antwort: auf die Kultur und die Werte, eine leere Worthülse, die keiner mit Inhalt füllen kann.

Wir können die deutsche Fahne doch nicht den Nationalisten überlassen.

Die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz hat den Boykott der Deutschlandfahne gefordert, aber was würde dann passieren? Ein Land ohne Nationalflagge gibt es nicht, das heißt die Fahne wird es auch weiterhin geben, wenn sie nicht durch eine andere ersetzt wird. Daher ist es richtig, dass Mensch sich grundsätzlich um positive Assoziationen mit der Deutschlandfahne bemühen sollte. Die Verbindung mit großen Menschengruppen, die laut „Deutschland“ rufen und hoffen, dass das eigene Land einem anderen (wenn auch nur sportlich) überlegen ist, ist jedoch keine geeignete Alternative. Hooligans zeigen, dass es Menschen gibt, die sportliches nicht von anderen Bereichen des Lebens trennen können.

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Die Nationalflagge zu verbieten ist der falsche Weg.

Eine Untersuchung zum Thema Rechtsextremismus stellt erschreckender weise fest, dass jede*r zehnte sich in Deutschland eine Diktatur wünscht, einige mehr zeigen antisemitische Tendenzen und/oder glauben, dass das deutsche Volk besser sei, als andere Völker. Diese Zahlen zeigen die Entwicklung die das Land in den letzten Monaten gemacht hat. Von „Refugees welcome“ zu „Das wird man wohl noch sagen dürfen.“

Diese Stimmung wird auch durch die EM nicht anders werden. Eine Studie der Uni Marburg hat ergeben, dass es einen Zusammenhang zwischen Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit gibt. Außerdem stimmt es nicht, dass Menschen nach einer WM oder EM toleranter werden. Die Idee von „Die Welt zu Gast bei Freunden“ ist daher leider nur Wunschdenken.

Liebe Fans, die Bewegung nach rechts ist kein Phänomen von Minderheiten mehr. Es ist eine ernstzunehmende Gefahr, derer sich jeder bewusst sein muss. Wer sich das klar gemacht hat und dennoch die Fahne zeigen möchte, kann das tun. Ein Verbot entwickelt sich, wie es die Grüne Jugend jetzt erleben muss, zu einer stark emotionalen Gegenbewegung. Für diejenigen, die sich jedoch gegen die Fahne entscheiden und trotzdem das deutsche Team unterstützen möchten, gibt es eine Alternative: eine Fahne mit dem DFB Logo, da ist die Botschaft eindeutig.

 

Lennart Wulf

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